Zwei Namen dominieren seit Jahren den Markt für Bitcoin-Mining-Hardware: Bitmain mit der Antminer-Reihe und MicroBT mit den Whatsminern. 2026 stehen sich ihre Volumenmodelle gegenüber – der Antminer S21+ und der Whatsminer M60S+. Beide versprechen aktuelle Effizienz zu vernünftigen Preisen, beide laufen in Rechenzentren rund um den Globus millionenfach. Doch im Detail unterscheiden sich die Geräte deutlicher, als die Datenblätter vermuten lassen. Ein nüchterner Vergleich in fünf Disziplinen.
Die Kontrahenten im Überblick
| Kriterium | Antminer S21+ | Whatsminer M60S+ |
| Hersteller | Bitmain | MicroBT |
| Hashrate | 235 TH/s | 206 TH/s |
| Effizienz | 14,9 J/TH | 16,0 J/TH |
| Leistungsaufnahme | ~3.500 W | ~3.300 W |
| Tagesverbrauch | ~84 kWh | ~79 kWh |
| Marktpreis (DE, ca.) | 2.000–2.500 € | ~2.200 € |
| Kühlung | Luft, 2 Lüfter | Luft, 2 Lüfter |
(Straßenpreise deutscher Händler mit Rechnung, Stand Juli 2026 – Tagespreise schwanken mit dem Bitcoin-Kurs.)
Disziplin 1: Hashrate und Effizienz
Auf dem Papier führt der S21+ klar: 235 gegen 206 Terahash pro Sekunde sind rund 14 % mehr Rechenleistung, und mit 14,9 J/TH arbeitet er zudem effizienter als der M60S+ mit 16,0 J/TH. Wer pro investiertem Euro maximale Hashrate und pro Kilowattstunde maximalen Ertrag sucht, findet beim Bitmain die besseren Kennzahlen.
Der Vorsprung relativiert sich allerdings im Betrieb: Whatsminer gelten als konservativ spezifiziert und halten ihre Nennhashrate auch bei höheren Umgebungstemperaturen erstaunlich stabil, während Antminer bei Hitzestau früher drosseln. In einem professionell gekühlten Rechenzentrum spielt das kaum eine Rolle – in improvisierten Umgebungen dreht sich das Datenblatt-Duell schnell um.
Disziplin 2: Anschaffungspreis und Preis pro Terahash
Beim Einstiegspreis liegen beide Geräte auf ähnlichem Niveau, der S21+ ist je nach Händler und Kontingent ab etwa 2.000 € zu haben und kommt damit auf einen Preis von unter 9 € pro Terahash – ein Wert, den der M60S+ mit rund 10,70 €/TH nicht ganz erreicht. Wichtiger als der Listenpreis ist beim Kauf jedoch die Bezugsquelle: Graumarkt-Importe ohne Mehrwertsteuer-Rechnung sparen wenige Prozent, kosten im Defektfall aber die komplette Garantieabwicklung. Deutsche Fachhändler wie Minenity aus Berlin (21 Strategy GmbH) führen beide Modellreihen mit regulärer Rechnung und bieten auf Wunsch an, das Gerät direkt in Partner-Rechenzentren in den USA oder Asien betreiben zu lassen – für Käufer ohne eigenen Industriestrom-Zugang oft der praktikablere Weg als die Lieferung an die Haustür.
Disziplin 3: Lautstärke, Abwärme und Betriebsumfeld
Hier gibt es keinen Sieger, sondern eine gemeinsame Warnung: Beide Geräte erzeugen im Betrieb 75 bis 80 Dezibel – das Niveau eines laufenden Staubsaugers, allerdings ohne Pause. Dazu kommen 3,3 bis 3,5 Kilowatt Abwärme, die einen normalen Raum in kurzer Zeit überhitzen. Der M60S+ zieht etwas weniger Strom und produziert entsprechend etwas weniger Wärme, doch der Unterschied ist akademisch: Wohnungstauglich ist keiner der beiden. Wer keinen schallisolierten, aktiv belüfteten Raum mit eigenem Stromkreis hat, plant den Betrieb realistischerweise außerhalb der eigenen vier Wände – zumal deutscher Haushaltsstrom bei rund 0,30 €/kWh den Betrieb ohnehin unwirtschaftlich macht, während Industriestrom in Mining-Rechenzentren ab etwa 0,062 €/kWh verfügbar ist.
Disziplin 4: Zuverlässigkeit und Lebensdauer
In dieser Disziplin hat sich MicroBT einen Ruf erarbeitet: Whatsminer gelten in der Branche als besonders robuste Dauerläufer mit auffällig niedrigen Ausfallraten der Hashboards. Das großzügig dimensionierte Netzteil und die konservative Werksabstimmung zahlen auf die Langlebigkeit ein. Bitmain kontert mit dem größeren Ökosystem – Ersatzteile, Reparatur-Know-how und Custom-Firmware sind für Antminer überall verfügbar, und der Wiederverkaufsmarkt ist der liquideste der Branche. Vereinfacht: Der Whatsminer fällt seltener aus, der Antminer ist im Fall des Falles schneller repariert und später leichter verkauft. Für die kalkulierte Lebensdauer von etwa drei Jahren – danach setzt typischerweise die nächste Effizienzgeneration den Schlussstrich – sind beide eine solide Basis.
Disziplin 5: Welcher Miner für welchen Anwendungsfall?
Der S21+ passt zu Käufern mit Effizienz-Fokus: bester Preis pro Terahash, niedrigster Stromverbrauch pro Hash und die größte Auswahl an Zubehör und Firmware. Wer im professionellen Hosting betreibt und auf die Zeit nach dem Halving 2028 kalkuliert – wenn sich die Blockbelohnung halbiert und ineffiziente Geräte aus dem Netzwerk fallen –, fährt mit der besseren Effizienz die sicherere Linie.
Der M60S+ passt zu Betreibern mit Stabilitäts-Fokus: wer ein Gerät sucht, das jahrelang unbeaufsichtigt durchläuft, auch bei suboptimaler Kühlung die Leistung hält und möglichst selten Service braucht, bekommt beim MicroBT das ausgereiftere Arbeitstier – und zahlt dafür einen kleinen Effizienz-Aufschlag.
Für beide gilt: Die Kaufentscheidung ist nur die halbe Rechnung. Beim aktuellen Marktumfeld – der Bitcoin-Kurs notiert im Bärenmarkt rund 50 % unter seinem Hoch von Ende 2025 – entscheidet der Strompreis des Betriebsstandorts darüber, ob überhaupt ein Gerät wirtschaftlich läuft. Erholt sich der Markt, profitieren beide Maschinen gleichermaßen; scheitert der Standort, hilft auch das beste Datenblatt nicht.
Fazit
Antminer S21+ und Whatsminer M60S+ trennen keine Welten, sondern Philosophien: Bitmain baut das effizienteste Volumengerät mit dem größten Ökosystem, MicroBT das unverwüstlichste. Wer primär auf Effizienz und Wiederverkauf schaut, greift zum S21+; wer maximale Betriebsruhe über Jahre will, zum M60S+. Ein Fehlkauf ist 2026 keiner von beiden – solange das Drumherum stimmt: seriöse Bezugsquelle mit Rechnung und Garantie, ein Betriebskonzept mit wettbewerbsfähigem Strompreis und eine Kalkulation, die steigende Difficulty und das Halving 2028 nicht ausblendet. An diesen drei Punkten scheitern in der Praxis mehr Mining-Projekte als an der Wahl zwischen den beiden Herstellern.



